"Souvenir - Florence Foster jenkins"

Zur Eröffnung der "Richtfestspiele" des neuen West Side Theatre - Ein Theater für Eberstadt

Cole Porter war ihr größter Fan! Er verpasste kein Konzert der schrägen Diva Florence Foster Jenkins. War sie ein Genie, eine Hochstaplerin oder einfach nur wahnsinnig? Denn: Singen konnte sie offensichtlich nicht. Aber ihre unerschütterliche Inbrunst und die schrille Inszenierung ihrer Auftritte machten sie weltberühmt. Ihre Darbietungen waren das Event der New Yorker Gesellschaft der dreißiger und vierziger Jahre in die Florence Foster Jenkins geschickt ihre Netze spann. Als Millionenerbin konnte sie schließlich sogar die Carnegie Hall anmieten für ihr letztes großes Konzert. Denn ihre Mission war schließlich „gute Musik unter die Menschen zu bringen. Und dieses Ziel verfolgte sie unerschütterlich.
 
„Souvenir“ ist die erfolgreiche Broadwayfassung dieser Geschichte, die 2016 mit Meryl Streep in der Hauptrolle in die Kinos kam. Aus der Perspektive des Pianisten Cosme McMoon (Oliver Sohl) wird die Geschichte der Florence Foster Jenkins (Marijke Jährling) erzählt. Der Pianist und die Sängerin könnten unterschiedlicher nicht sein: Er, hochbegabt aber arm, voller Selbstzweifel, hadernd mit der Abhängigkeit von künstlerisch unbefriedigenden Jobs. Sie, gnadenlos ihrem Stern folgend, mit an Ignoranz grenzender Selbstüberzeugung und steinreich. Dass sie keinen Ton wirklich treffen konnte war für die Zuhörer geradezu schmerzhaft. Sie selbst schien es nicht wahrzunehmen – oder nicht wahrnehmen zu können. Durch die Augen des Pianisten erscheint Florence Foster Jenkins (geb. 19.Juli 1858) aber auch in einer fast rührenden Naivität, wie ein Kind das permanent seinen eigenen Traum inszeniert. Ihre selbstgeschneiderten Kleider und Kopfbedeckungen sind legendär, mit ihren Choreografien gab sie sich der Lächerlichkeit preis. Und in der Reibung der beiden Figuren dieses Stückes entstehen, neben allem Amüsement, Fragen nach dem Wesen der Kunst und nach den Bedingungen für ihr Gelingen. Denn Zweifellos wäre es Florence Foster Jenkins ohne ihr Vermögen niemals möglich gewesen ernsthaft vor Publikum zu singen, sie hätte nicht mal einen Pianisten gefunden. Aber genauso zweifellos wäre ohne ihren unerschütterlichen Glauben an sich selbst Cole Porter um eine grandiose Erfahrung ärmer geblieben. Und wir um ein Stück Theater!
Übersicht
"Souvenir - Florence Foster Jenkins" eine Produktion der compagnie schattenvögel
 
Peter H. Jährling: Regie
Marijke Jährling: Dramaturgie, 
Oliver Sohl: musikalische Leitung
Regueassistenz: Kerstin Kiefer
Marijke Jährling: Florence Foster Jenkins
Oliver Sohl: Cosme McMoon
Ulrike Schörghofer: Kostüme/Bühnenbild
Sven Beck: Licht
Heinz Runkel, Mathias Lauer, Ricardo Brückenkamp-Miranda: Bauten
Förderer